Von der Zeugung bis zur Bahre:

Unsere "wunderbare PFAS-Welt“

 

Es ist nicht nur für den Laien unmöglich, die heutigen Verwendungen der PFAS auch nur ansatzweise zu erfassen, auch die Fachleute versuchen ihr Glück bereits seit mehreren Jahren. Unterschiedliche chemische Gruppen, daraus resultierende verschiedene Anwendungsbereiche, gepaart mit Betriebsgeheimnissen und mangelhafter Deklaration resultieren in mangelhafter Transparenz. In einem 39-seitigen Übersichtsartikel(1) versuchen die Autoren, die heute bekannten Fakten zusammenzufassen, ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, alleine die Übersichtstabellen belaufen sich auf zwölf Seiten. Man identifiziert für mehr als 1400 einzelne PFAS mehr als 200 Verwendungen in 64 Kategorien. Einige Produkte haben in ihren Bestandteilen sogar mehrere PFAS, so enthält ein Mobiltelefon laut der Studie beispielsweise eine Fluorpolymerverdrahtung, man fand PFAS in den Leiterplatten und Halbleitern sowie an dem Bildschirm, der mit einem fingerabdruckresistenten Fluorpolymer beschichtet ist. Und manches erscheint fast unlogisch, denn während man mit großem Aufwand und Kosten die PFAS aus dem Wasser und Abwasser filtert, können Filtermembranen mit PFAS-Polymeren beschichtet sein, um die Sorption von Verbindungen an den Filter selbst zu minimieren. Und eine der bekannten Methoden zur zuverlässigen Zerstörung der PFAS ist es, die Stoffe in den Zementfabriken bei hohen Temperaturen zu verbrennen, während man laut der Studie dem Zement selber auch PFAS als Additiv wieder hinzugibt. In meinen Blogbeiträgen gehe ich regelmäßig auf aktuelle Entwicklungen in Sachen PFAS-frei ein: https://pfas-dilemma.info/aktuelles/18-pfas-frei. 

 

 

 

Die schwedische NGO ChemSec (https://chemsec.org/) beschäftigt sich umfassend mit dem Thema PFAS und hat auf ihrer Homepage auch eine Rubrik "No to PFAS" eingerichtet, inklusive einer ständig wachsenden Liste von Firmen, die in ihren Produkten auf PFAS verzichten. In einer Pressemitteilung schreibt ChemSec am 22.03.2023:

"Marken im Wert von mehr als 130 Milliarden Euro wollen, dass die EU PFAS-Chemikalien verbietet"

"Heute beginnen die Diskussionen über das bevorstehende Verbot von PFAS-Chemikalien in der Europäischen Union. Durch eine Kampagne der Umwelt-NGO ChemSec unterstützen mehr als hundert Verbrauchermarken im Wert von mehr als 130 Milliarden Euro ein umfassendes Verbot dieser schädlichen Chemikalien.

Viele Unternehmen sprechen sich gegen PFAS-Chemikalien aus, da die EU die Öffentlichkeit auffordert, ihre Meinung zum vorgeschlagenen Verbot dieser schädlichen Chemikalien abzugeben. 108 Unternehmen, die sich für den Ausstieg aus PFAS-Chemikalien aus Produkten und Prozessen einsetzen, haben sich der PFAS-Bewegung angeschlossen, einer von der Umwelt-NGO ChemSec initiierten Lobbykampagne, die eine umfassende Regulierung von PFAS in der EU fordert.

 

PFAS: Ja, nein, vielleicht?

Man findet diverse PFAS in Kosmetikartikeln, Küchenutensilien wie Teflonpfannen oder Muffinförmchen, in Outdoor- und Sportbekleidung, in Zelten, Schlafsäcken, Segeln, Sonnenschirmen oder Markisen. Teppiche, Möbel oder Kindersitze werden durch PFAS schmutz- und wasserabweisend.  Die schusssicheren Westen der Polizei sind damit beschichtet, ebenso die Schutzbekleidung von Feuerwehrleuten oder medizinischem Personal. Wer sich einen Überblick über die schier unendlichen Einsatzbereiche dieser persistenten Chemikalien verschaffen will, wird beispielsweise auf der Seite https://www.teflon.de  fündig.

In einer Diplom-Arbeit der TU Wien fand man heraus, dass "der Haupteintragspfad von Perfluorsulfonsäuren in den Haushalt Textilien sind, während Perfluorcarbonsäuren vor allem durch Importe aus dem Prozess „Körperpflege“ bestimmt sind. ... Vor allem die Importe „Sonnenschutzmittel“, „Body Lotion“, „Concealer“, „Teppiche“, „Vorhänge“, „Shirts“ und „Hosen“ spielen eine wichtige Rolle beim PFAS-Eintrag in Haushalte" ( https://repositum.tuwien.at/handle/20.500.12708/19412 ).

Kosmetik gibt es mit oder ohne PFAS

 

Verbraucherfreundlich wäre es, die Verwendung der PFAS in den Produkten zu deklarieren, damit man sich bewusst dafür oder dagegen entscheiden kann. Darauf wird man aber wohl noch eine Weile warten müssen. Was man allerdings häufig findet, ist die Bezeichnung "PFOA-frei". PFOA ist aber nur eine von rund 5000 PFAS, das hört sich also gut an, sagt aber nicht viel aus. All das zeigt sehr deutlich, wie weit diese Chemikaliengruppe verbreitet ist, so dass die Suche nach Alternativen daher eine sehr herausfordernde und umfangreiche Aufgabe ist und auch in Zukunft sein wird.

Als Konsequenz auf diesen weitverbreiteten und nicht ausreichend deklarierten Einsatz von PFAS haben im Februar 2023  Schweden, Dänemark, die Niederlande, Deutschland und Norwegen den Vorschlag für ein EU-weites Verbot der PFAS als Klasse eingereicht, erlaubt werden sollen danach in Zukunft nur noch die gesamtgesellschaftlich notwendigen Verwendungen (s.pfas-dilemma, Blog aktuelles). Das vorgeschlagene EU-Verbot von PFAS ist notwendig und umfassend und das erste seiner Art weltweit. Die fünf Länder haben fast drei Jahre damit verbracht, die Auswirkungen eines Verbots von PFAS-Chemikalien in einem Dossier zu kartieren, das sich über fast 2.000 Seiten erstreckt. Die PFAS-Emissionen lagen im Jahr 2020 bei 75.000 Tonnen. Wenn das so weitergeht, würden die Emissionen in 4 Jahren voraussichtlich bei 4,30 Millionen Tonnen liegen.

 

Beispiele für PFAS: ja/nein/vielleicht?: 

In den Blogbeiträgen gehe ich auf aktuelle Entwicklungen in Sachen PFAS ein:  https://pfas-dilemma.info/aktuelles/18-pfas-frei

Auch in der PFAS-Broschüre sind ab Seite 58 Beispiele aufgelistet: https://pfas-dilemma.info/pfas-broschuere

Und auch die Studierenden der Lehrredaktion Print im Studiengang "Wissenschaft-Medien-Kommunikation" haben sich damit beschäftigt, nachzulesen in der Broschüre, die wir zusammenerarbeitet haben, ab Seite 40

 

PFAS, ja, nein, vielleicht? Die Frage kann nicht so leicht beantwortet werden, weil es keine Kennzeichnungspflicht für PFAS gibt.

 

(1) An overview of the uses of per- and polyfluoroalkyl substances (PFAS), Glüge et al., 

Environ. Sci.: Processes Impacts, 2020, 22, 2345-2373

 

PFAS Mittelbaden

PFAS Global

Ja, nein, vielleicht?

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