- Details
PFAS im Blut – was bedeutet das für mich?
Im Juni 2026 habe ich gemeinsam mit 109 weiteren Menschen aus neun europäischen Ländern an einer PFAS-Blutuntersuchung in Brüssel teilgenommen. Die Untersuchung wurde von der Fraktion Greens/EFA im Europäischen Parlament in Auftrag gegeben und wissenschaftlich von der Vrije Universiteit Amsterdam ausgewertet. Einige Wochen später hatte ich meine persönlichen Ergebnisse vor mir.
PFOA, PFOS und PFHxS waren bei mir erfreulich niedrig. Doch dann war da noch ein anderer Wert: Trifluoressigsäure: TFA.
Haben wir PFAS im Blut und wie sieht das im europäischen Vergleich aus? Um diese Fragen zu beantworten, trafen sich im Juni 2026 insgesamt 110 Bürgerinnen und Bürger aus neun europäischen Ländern in Brüssel, um ihr Blut auf PFAS untersuchen zu lassen. Sieben Teilnehmer kamen auf Einladung von Jutta Paulus, Europaabgeordnete der Grünen, aus Deutschland. Ich war eine von ihnen.

Im Medisch Centrum Park Leopold in Ixelles wurde uns Blut abgenommen. Damit wurde aus der theoretischen Möglichkeit einer PFAS-Belastung plötzlich etwas sehr Konkretes: Mein eigenes Blut.
Unsere Serumproben wurden am Institut für Arbeits- und Seemedizin (ZfAM), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Hamburg, Deutschland, auf neun einzelne PFAS analysiert. Die anonymisierten PFAS-Serumkonzentrationen und damit erhobenen Fragebogendaten wurden zur wissenschaftlichen Auswertung an die Vrije Universiteit Amsterdam (VUA) übermittelt. Dort wurden die PFAS-Belastungen ausgewertet und mögliche Einflussfaktoren untersucht. (👉 Lenters & van Duursen, 2026).
Wichtig dabei ist: Die Untersuchung war keine repräsentative Studie über die europäische Bevölkerung. Dafür war die Zahl der Teilnehmenden zu klein und die Gruppe nicht zufällig aus der Gesamtbevölkerung ausgewählt. Sie kann deshalb nicht zeigen, wie häufig bestimmte PFAS in Europa insgesamt vorkommen. Sie erlaubt aber einen Einblick in die Belastung dieser 110 Personen – und macht sichtbar, welche Fragen noch offen sind.
Begleitet wurde diese Untersuchung von Gesprächen und Interviews im Europäischen Parlament rund um die Belastung mit den langlebigen „Ewigkeitschemikalien“.

Unsere Hintergründe waren alle unterschiedlich, was uns verband, war die Sorge über PFAS, ihre zunehmende Verbreitung und die Frage, wie Politik und Behörden mit dieser Stoffgruppe umgehen. Und natürlich auch die bevorstehende Gruppenbeschränkung, die aktuell von der ECHA diskutiert wird.
Und dann bekam ich mein persönliches Ergebnis.
Mein Blut unter der Lupe:
Die Zahlen sind zunächst einmal genau das: meine persönlichen Messwerte. Sie sagen nichts darüber aus, wie stark die Bevölkerung insgesamt belastet ist. Auch lassen sich aus meinem Ergebnis keine individuellen Gesundheitsrisiken ableiten.

Aber sie machen PFAS für mich sehr konkret. PFOA und PFOS liegen unterhalb der HBM-I-Werte, die vom Umweltbundesamt veröffentlicht wurden. Auch PFHxS ist erfreulicherweise recht niedrig. Das hatte ich gehofft, denn obwohl ich in der PFAS-Region Mittelbaden lebe, wurden dort ja bereits seit 2015 Gegenmaßnahmen ergriffen, um die PFAS-Belastung der Bevölkerung zu reduzieren.
Hier ein kurzer Schwenk dorthin: Blutuntersuchungen in Mittelbaden
• Zwischen 2018 und 2023 wurden Menschen aus ehemals über das Trinkwasser belasteten Gebieten sowie Vergleichspersonen untersucht. .
• Besonders auffällig war PFOA: Bei den ehemals über das Trinkwasser belasteten Menschen sank der Median zwischen 2018 und 2023 von 15,62 auf 7,52 µg/L. Bei PFOS zeigte sich dagegen kein vergleichbarer Unterschied zwischen den Untersuchungsgruppen.
• Die Ergebnisse zeigen: Die frühere Belastung über das Trinkwasser ist noch Jahre später im Blut erkennbar – auch wenn die Belastung inzwischen zurückgegangen ist.
• Eine entscheidende Einschränkung gibt es allerdings: TFA wurde bei diesen Untersuchungen nicht bestimmt. Ein Vergleich mit den aktuellen TFA-Ergebnissen aus Europa ist deshalb nicht möglich.
TFA im Blut
Meine klassischen PFAS-Werte waren also relativ niedrig. Doch dann kam der Wert, mit dem ich nicht gerechnet hatte: TFA. Meine Konzentration lag bei 30 µg/L. Die Frage ist: Warum TFA und woher kommt das? Darauf kann auch diese Untersuchung allenfalls Hinweise liefern.

https://pfas-dilemma.info/pfas-gespraeche/108-tfa-stern-am-pfas-himmel-michael-mueller
TFA ist eine extrem mobiles und hochgradig persistentes PFAS, für das es verschiedene Expositionsquellen gibt: PFAS-Pestizide, der Abbau von F-Gasen (fluorierten Gasen), Arzneimittel, Industrieemissionen und Kläranlagen. Hans Peter Arp und Koautoren berichten über den Nachweis von TFA in zahlreichen Umweltmedien sowie in Trinkwasser und pflanzlichen Lebensmitteln (The Global Threat from the Irreversible Accumulation of Trifluoroacetic Acid (TFA) ).
Und nun also auch unserem Blut: In 100 % der Proben fand man dieses PFAS, mit einer medianen Konzentration von 21,2 ng/mL, gegenüber 4,6 ng/mL für die Summe der vier langkettigen PFAS (also 4- bis 5-mal höher als die Summe der langkettigen PFAS).
„TFA allein macht mehr als 80 % der gesamten PFAS-Belastung aus, die im Blut der Teilnehmenden gemessen wurde, und erreicht die höchsten Werte, die jemals beim Menschen festgestellt wurden“, so Jutta Paulus (Greens/EFA, DE). "TFA ist nicht bioakkumulativ, daher muss davon ausgegangen werden, dass die Belastung mit TFA fortlaufend ist".
Bei TFA-Werten besteht kein Unterschied zwischen den Geschlechtern oder dem Alter. Allerdings zeigte die Analyse der begleitenden Fragebögen, dass die TFA-Konzentration derjenigen, die viel Fleisch essen, deutlich niedriger lag; möglicherweise, weil die Personen weniger pflanzliche Nahrungsmittel zu sich nahmen, die mehr TFA aufnehmen.

Es gibt derzeit keinen Referenzwert, der auf der Konzentration von TFA im Blut basiert, um festzustellen, ob die festgestellten Werte ein Gesundheitsrisiko beinhalten. Die vorliegende Studie ist übrigens erst die vierte weltweit, die die Belastung mit TFA untersucht. Der aktuelle Bericht verweist auf Untersuchungen aus Norwegen (Yeung et al., 2026), den USA (Cheng et al., 2025), China (Duan et al., 2020) und Deutschland (Selke et al., 2026).
Was sagen die Politiker?
Cristina Guarda (Greens/EFA, IT), die aus der PFAS-belasteten Region Venetien kommt, forderte, ebenso wie ihr Kollege Gordan Bosanac (Greens/EFA, HR), in der begleitenden heutigen Pressekonferenz mehr Daten zu TFA sowie stärkere politische Konsequenzen. Bei dem Abbauprodukt TFA fehle den Leuten oft die Information, z.B. bei den Pestiziden oder Pharmaceutical.
Wenn die Industrie sage, TFA reichere sich nicht im Körper an, so zeige diese aktuelle Studie, die TFA in jeder Blutprobe nachgewiesen habe, ja nun eindeutig das Gegenteil, so Guarda. Die Konsequenzen seien unklar.
Angesichts der Datenlage sei es für die Grünen völlig klar, dass man die PFAS bannen müsse, so Jutta Paulus. Nur dort, wo es schwierig sei, solle man Übergangsfristen zulassen.
„Die Industrie will „Ewigkeits-Ausnahmen für die Ewigkeits-Chemikalien“; das geht nicht“, betont Paulus.
Denn damit würde man jede Forschung nach Alternativen stoppen, weil es dann keinen Grund mehr dafür geben würde. Der zweite Punkt, den die Industrie gerne umgesetzt sehen würde, sei die Ausnahme der Fluorpolymere (FP) aus der Beschränkung. Auch das sei nicht möglich, da man bei den FP den gesamten Lebenszyklus betrachten müsse, bei dem es zu Umweltbelastungen kommen könne.
Das Ganze sei dann eine politische Entscheidung und man könne nur hoffen, dass diese im Sinne des Gemeinwohls getroffen werde und nicht die Industrieinteressen im Vordergrund stehen würden. Die Kommission müsse den Erkenntnissen der Wissenschaft folgen, so Paulus.
Was bleibt für uns?
Wir sieben deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind mit unseren persönlichen Ergebnissen nach Hause gefahren. Die klassischen PFAS-Werte waren unterschiedlich – aber bei einer Frage sitzen wir letztlich alle im selben Boot: Was bedeutet der TFA-Nachweis in unserem Blut – und woher kommt er?
Gudrun bringt es so auf den Punkt:
„Diese Studie ist ein Weckruf: TFA wurde in 100 Prozent der Blutproben gefunden. Auch bei mir ist TFA deutlich nachweisbar – obwohl meine klassischen PFAS-Werte sehr niedrig sind und mein Trinkwasser nachweislich TFA-frei ist. Das rückt andere Eintragspfade wie Lebensmittel umso stärker in den Fokus. TFA darf nicht zum allgegenwärtigen Ewigkeitsstoff werden. Wir müssen Wasser und Lebensmittel schützen und die Einträge jetzt konsequent an der Quelle stoppen.“

Axel zieht aus den Ergebnissen eine klare Konsequenz:
„Wir dürfen keine Stoffe in die Umwelt abgeben, die ‚ewig‘ bleiben. Dadurch wird deren Konzentration immer höher, solange wir die Emissionen nicht stoppen.“
Andreas sagt: Jahrzehntelang wurden Milliardengewinne mit Ewigkeitschemikalien gemacht - auf Kosten von Umwelt und Gesundheit. Jetzt finden sich PFAS im Trinkwasser und in unserem Blut. Das Muster ist immer dasselbe: Die Profite wanderten in private Taschen, die Zeche für Sanierung und Krankheiten zahlen wir alle.
Und ich?
Bei mir liegt die TFA-Konzentration bei 30 µg/L. Ich weiß nicht, woher dieser Wert kommt. Zu wenig Fleisch? Zu viel Salat, Tomaten oder Getreide? Lebensmittel? Medikamente? Oder vielleicht ist es doch der Südwest-Wind, der Pestizide aus angrenzenden Weinanbau-Gebieten seit über 30 Jahren in unsere Richtung treibt? Ich habe keine Ahnung und kann den Wert deshalb zunächst nur zur Kenntnis nehmen.
Und damit sind wir wieder bei der Politik.

Woher kommen diese Stoffe – und wieso, zum Kuckuck, sind sie eigentlich noch nicht verboten?
Wir wissen längst genug, um zu handeln – aber wir handeln noch nicht entsprechend. Und während weiter diskutiert, bewertet und verhandelt wird, bleibt die Belastung bestehen.
Auch in unserem Blut.
Quellen (alphabetisch und alle abgerufen am 1/2.10.2026)
- Arp, H. P. H., Gredelj, A., Glüge, J., Scheringer, M., & Cousins, I. T. (2024). The global threat from the irreversible accumulation of trifluoroacetic acid (TFA). Environmental Science & Technology, 58(45), 19925–19935. https://doi.org/10.1021/acs.est.4c06189
- Baden-Württemberg, Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit. (2026). Ergebnisse der dritten PFAS-Blutkontrolluntersuchung veröffentlicht. https://sozialministerium.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/ergebnisse-der-dritten-pfas-blutkontrolluntersuchung-veroeffentlicht
- Buchstab, L., & Scherbaum, E. (2025, 14. April). Trifluoressigsäure – Bedenkliche Gehalte in unserem Obst und Gemüse? Untersuchungsämter Baden-Württemberg. https://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&ID=4167
- Bundesamt für Umwelt [BAFU]. (2026). TFA – emission sources. https://www.bafu.admin.ch/en/tfa-emission-sources
- Cheng, L., Teagle, S., Enders, J. R., Weed, R. A., Nichols, H. B., Knappe, D. R. U., & Hoppin, J. A. (2025). Historical blood serum samples from Wilmington, North Carolina: The importance of ultrashort-chain per- and polyfluoroalkyl substances. Environmental Science & Technology, 59(43), 23125–23135. https://doi.org/10.1021/acs.est.5c08146
- Duan, Y., Sun, H., Yao, Y., Meng, Y., & Li, Y. (2020). Distribution of novel and legacy per-/polyfluoroalkyl substances in serum and its associations with two glycemic biomarkers among Chinese adult men and women with normal blood glucose levels. Environment International, 134, 105295. https://doi.org/10.1016/j.envint.2019.105295
- Greens/EFA. (2026, October 1). Forever chemical: New report PFAS-TFA. https://www.greens-efa.eu/en/article/press/forever-chemical-new-report-pfas-tfa
- Greens/EFA. (2026, October 1). PFAS levels in Europeans: An exploratory study. https://www.greens-efa.eu/en/article/study/pfas-levels-in-europeans
- Greens/EFA. (2026). PFAS scandal in Croatia. https://www.greens-efa.eu/en/article/press/pfas-scandal-in-croatia
- Klatt, P. (2026, 12. Februar). PFAS-Blutuntersuchungen in Mittelbaden (2018–2026). PFAS-Dilemma. https://pfas-dilemma.info/aktuelles/16-pfas-blutuntersuchungen-in-mittelbaden-2018-2026
- Klatt, P. (2026, 9. August). TFA – Der neue „Stern am PFAS-Himmel“: Prof. Michael Müller im Gespräch. PFAS-Dilemma. https://pfas-dilemma.info/pfas-gespraeche/108-tfa-stern-am-pfas-himmel-michael-mueller
- Klatt, P. (2026, 1. September). Nach dem Papierschlamm-Skandal: Warum Mittelbaden jetzt über TFA sprechen muss. Badische Neueste Nachrichten. https://bnn.de/mittelbaden/rastatt/nach-dem-papierschlamm-skandal-warum-mittelbaden-jetzt-ueber-tfa-sprechen-muss
- Lenters, V. C., & van Duursen, M. B. M. (2026). PFAS levels in Europeans: An exploratory study (Report No. R26/001/EHT). Vrije Universiteit Amsterdam, Faculty of Science, Environmental Health and Toxicology. https://www.greens-efa.eu/files/assets/docs/pfas_levels_in_europeans_final_report.pdf
- Paulus, J. (2026, October 1). Neue PFAS-Studie: PFAS levels in Europeans. An exploratory study. https://www.jutta-paulus.de/neue-pfas-studie-pfas-levels-in-europeans-an-exploratory-study/
- PAN Europe. (2026, October 1). TFA detected in every blood sample tested from 110 Europeans. https://www.pan-europe.info/blog/tfa-detected-every-blood-sample-tested-110-europeans
- Selke, S., Koenig, M., Obi, N., Riem, S., Köttgen, A., Leitzmann, M., Reimers, N., & Harth, V. (2026). Analysis of ultra short-chain PFAS in urine: Method development by LC-MS/MS and first human biomonitoring results from the German National Cohort (NAKO). Environment International, 215, 110504. https://doi.org/10.1016/j.envint.2026.110504
- Yeung, L. W. Y., Husøy, T., Jiao, E., Nauta, W., Herzke, D., Haug, L. S., Geuer, J. K., Andreassen, M., & Dirven, H. (2026). Extractable organofluorine (EOF) and target PFAS, including trifluoroacetic acid (TFA), in human serum from a Norwegian cohort, with a case study on the impact of fluorinated pharmaceuticals. Environment International, 211, 110280. https://doi.org/10.1016/j.envint.2026.110280
© Patricia Klatt/pfas-dilemma.info

