PFAS und die Kohlrouladen

Wenn im Kochrezept steht: „Umwickeln Sie die Kohlrouladen dann mit geeignetem Garn und braten sie das Ganze in der Pfanne scharf an“ – und wenn einem dann einfällt, dass die Garne mit PFAS beschichtet sein können und man sich fragt, ob Nähgarn beim Braten eigentlich ungefährlich ist??

 

Bei manchen Fragen wäre es einfacher, wenn sie einem gar nicht erst einfallen würden. So auch bei der Sache mit den Kohlrouladen. Im Rezept stand: „Umwickeln Sie die fertig geformte Roulade dann mit einem geeigneten Garn, braten sie das Ganze scharf an und schmoren es für weitere 30 Minuten.“ So, und was wäre nun ein geeignetes Garn? Nähgarn? Oder Zwirn? Und geeignet wofür?

Nähgarne können mit PFAS/ PFC beschichtet sein und werden dadurch wasser- und schmutzabweisend. Das fällt einem aber wahrscheinlich erst dann auf, wenn man sich auf der Homepage einiger Nähgarnproduzenten informiert. Da heißt es dann beispielsweise: „Insbesondere bei Funktionstextilien wie z.B. Regenjacken oder Outdoor-Textilien wie Planen, Zelte und Segel ist es wichtig, dass nicht nur das Gewebe, sondern auch das Eindringen von Feuchtigkeit und Schmutz durch die Nähte reduziert wird, um einen zuverlässigen Schutz zu bieten.“

Große Firmen wie A&E Gütermann gehen aber auch hier den Weg zu PFAS / PFC-freier Ausrüstung der Garne. „In Anbetracht der aktuellen PFC-Debatte, war für uns die Entwicklung einer PFC-freien Ausrüstung somit nicht nur Anreiz, sondern gelebte Verantwortung.“ Die Alternative heißt dort „REPEL“, diese Nähfäden seien ohne Fluorchemie wasserabweisend und hätten demzufolge auch keine umwelt- oder gesundheitsschädlichen Eigenschaften, so Gütermann.

Auch die AMANN Group hat PFAS / PFC-freie Nähgarne im Angebot und wirbt damit, „bei der Herstellung von wasserabweisenden Nähfäden umweltschädliche Perfluorcarbone (PFCs) durch umweltverträgliche Alternativen“ zu ersetzen. Schuhe, Taschen, Gürtel oder Koffer können mit PFAS / PFC-freiem Garn genäht werden.

Die Frage ist nun allerdings, wie ich an dem Nähgarn zu Hause erkenne, ob es mit fluorierten Chemikalien behandelt ist? Dann wäre es höchstwahrscheinlich für das Kochen nicht geeignet und auch sowieso nicht dafür gedacht, das sollte hier betont werden. Deswegen hat sich das Bundesinstitut für Risikobewertung beispielsweise mit PFAS in Lebensmittelverpackungen beschäftigt, aber nicht mit den Fragen, ob von Nähgarnen PFAS in die Lebensmittel übergehen oder ob beim Braten von Nähgarn-umwickelten Rouladen womöglich PFAS frei werden könnten.

Ich kann angesichts so vieler Unwägbarkeiten nur von der Verwendung von Nähgarn in der Küche abraten, auch nicht für Kohlrouladen und auch nicht, wenn es im Rezept steht – zu viele offene Fragen….

© Patricia Klatt

Update 22.2.2022:

wurde darauf hingewiesen, dass es spezielle Küchengarne geben würde, die Frage, ob diese nun auch sicher PFAS-frei sind, ist noch offen, werde berichten, sobald ich etwas weiß:) 

 

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